Modus, Galerie Hengevoss-Duerkopp Hamburg, Heike Froehlich, M.A. & Bjoern Frahm

Patrick Lemke begann als Schüler von Fritz Weigle in der sogenannten ,Comic – Klasse‘ sein Studium in Berlin, am einzigen Lehrstuhl für Karikatur- und Bildgeschichte in Deutschland. Zeichnen, speziell das Aktzeichnen, stand dort im Mittelpunkt.

Durch den Wechsel an die Kunstakademie Düsseldorf sah Lemke seine persönlichen und künstlerischen Interessen besser gefördert. In den übergroßen Formaten seines neuen Lehrers Markus Lüpertz empfand er die malerischen Mittel, wie die starke Buntfarbigkeit, den freien Auftrag der Farbe, sowie die gestische Art der Malerei glaubhaft behandelt. Im Gegensatz zu einer durch Realismus definierten Farbgebung ist ungewollt gesetzte Farbe für Lemke ehrlicher und aussagekräftiger. Die Frage nach dem Bestand einer solchen künstlerischen Bild – und Farbauffassung, dem Bleibenden, ist für Lemke noch nicht gelöst und beschäftigt ihn auch wei­terhin.

Der unbestimmt gesetzten Farbe in der nichtge­genständlichen Malerei soll wieder eine inhaltli­che Bedeutung zukommen. Farbstreifen sind in Lemkes Bildern nicht allein gesetzte Farbe, son­dern werden zum Beispiel mit Fahrbahnstreifen assoziierbar, Farbtropfen werden zu Tropfen aus einer Regenwolke. Beliebigkeit und Willkürlichkeit der Farbe verstärken sich auch dadurch, dass thematische Motive ebenfalls frei gesetzt werden. Allein die Ordnung nach Farben und Formen kann zu den unterschiedlichsten realen Umsetzungen führen. Ein gelber Punkt kann eine Sonne, eine Goldmünze oder eine Zitrone assoziieren, wobei unwichtig ist, welcher Gegenstand tatsächlich im Bild auftaucht. Relevant für Lemke ist, dass er den Kriterien von Form und Farbe entspricht.

Computer und Computerzeitschriften bilden die Ideengrundlagen vieler seiner Bilder. Die neuarti­ge Farbigkeit der technischen Welt empfindet Lemke als Herausforderung. Farbtöne, aus ,Lightmaps‘ entliehen, kommen so in der Natur eher nicht vor, werden aber trotzdem mit ent­sprechenden natürlichen Gegenständen verein­bar. Einflüsse aus der Welt der Computerspiele zeigen sich auch bei der Wahl isometrischer Perspektiven ohne Fluchtpunkt in den Gemälden. Es entstehen einfachste Räume, in denen geometrische Formen, frei vom Grund, Bildausschnitte darstellen und als unterschiedli­che Motive erkannt werden. Wie bei Computerprogrammen wird Haptisches symboli­siert.

 

Im Gemälde „Modus“ wird der Betrachter bei­spielsweise an eine Explosion erinnert, die er in einem Flugzeugcockpit erlebt. Die Explosion ist durch kräftiges ,zersprengtes‘ Rot sichtbar gemacht. Stahlstreben sind ins Bild gerückt und imaginieren die Form eines Cockpits. Kleinstteile, assoziierbar mit Schaltknöpfen und Drehreglern, haben keine Position mehr inne und befinden sich frei im Raum. Kreisformen werden als Bedienungseremente aus der Computerwelt in greifbare Formen gebracht, sind aber illusionistisch und funktionslos. Lemke greift hierbei die Designkomponente austechni­schen und digitalen Geräten auf.

„Gruß an Giovanni“ zeigt einen Ausschnitt eines Tempelbaus. Thema des grafisch wirkenden Gemäldes ist das Spiel mit räumlichen Details. Allein die Dichte schwarzer Linien erzeugt zwangsläufig eine räumliche Wirkung. Dunkle, sehr dichte Linien rücken in den Vordergrund ebenso wie größere, schwarze Farbtupfer weiter vorne positioniert zu sein scheinen. Dagegen treten dünnere, transparent wirkende Linien und Tropfen mehr nach hinten.

Heike Fröhlich, M.A. & Björn Frahm, Galerie Hengevoss-Duerkopp, Hamburg